Ein Besitz für immer – Πρόχειρα ἐς αἰεί

Die nachfolgenden Aspekte der griechischen Literaturgeschichte stellen – wie aus dem Titel ersichtlich ist – einen schematischen Streifzug dar. Keinesfalls erhebt dieses opusculum Anspruch auf Vollständigkeit. Eher soll es eine zusammenfassende Übersicht sein. Nützlich kann es bei der inhaltlichen Vorbereitung auf die griechische Abiturprüfung sein. An dieser Stelle sei allen Personen, deren Erkenntnisse in dieses Werk miteingeflossen sind, gedankt ─ vor allem natürlich unserem Kursleiter Herr Regenfelder!

Die Herausgeber Johannes Isépy und Thomas Gabor (27. April 2009)


Inhaltsverzeichnis

A. Lehrgang

I. Philosophie

Zur Einleitung: Raffael, Die Schule von Athen
0. Zeittafel
1. Thales von Milet
2. Anaximander
3. Xenophanes
4. Heraklit von Ephesos
5. Sophistik

Protagoras von Abdera
Gorgias von Leontinoi
Kritias von Athen
Antiphon
Hippias von Elis

6. Platons Politeia
7. Aristoteles´ „Politika“

II. Dichtung

0. Zeittafel
1. Homers Ilias
2. Archilochos
3. Tyrtaios
4. Alkaios
5. Solon
6. Übersicht der größten Dramen
7. Sophokles´ Antigone

III. Geschichtsschreibung

1. Thukydides


A. Lehrgang

I. Philosophie

Zur Einleitung: Raffael  „Die Schule von Athen“

Die Schule von Athen (ital. La scuola di Atene) ist ein Fresko des Malers Raffael, das dieser von 1510 bis 1511 in der Stanza della Segnatura des Vatikans (ursprünglich der Saal für die Unterschriftsleistung in den Privaträumen des Papstes) für Papst Julius II. anfertigte. Das Bild ist Teil eines Zyklus, der neben der „Schule von Athen“, den „Parnass“, die „Disputatio“ (Erläuterung des Altarssakraments) und die „Kardinal- und die göttlichen Tugenden und das Gesetz“ darstellt. Der Titel des Bilds verweist auf die herausragende philosophische Denkschule des antiken Griechenlands, verkörpert von ihren Vorläufern, Hauptvertretern und Nachfolgern. Im Zentrum stehen die Philosophen Platon und Aristoteles. Das Fresko verherrlicht im Sinne der Renaissance das antike Denken als Ursprung der europäischen Kultur, ihrer Philosophie und Wissenschaften.

Raffael - Die Schule von Athen (Ausschnitt)

Raffael – Die Schule von Athen (Ausschnitt)

Die häufigsten Zuordnungen der Figuren zu Personen der Geschichte:
1. Zenon von Kition (Begründer der Stoischen Schule)
2. Epikur (Begründer der Epikureischen Schule)
3. Federico II. Gonzaga (Herzog von Mantua)
4. Zuordnung nicht eindeutig: entweder Boëthius, Anaximander oder Empedokles
5. Averroes (arabischer Philosoph und Theologe)
6. Pythagoras (Mathematiker)
7. Alkibiades (Politiker und Feldherr aus Athen)
8. Xenophon (Historiker und Biograph von Sokrates) oder Anisthenes
9. Hypatia oder Francesco Maria I. della Rovere
10. Aischines oder Xenophon
11. Parmenides von Elea (Philosoph, Begründer der Eleatischen Schule)
12. Sokrates (Philosoph und Lehrer von Platon)
13. Heraklit (Philosoph, verkörpert durch Michelangelo)
14. Platon mit der Schrift «Timaios» (Philosoph, verkörpert durch Leonardo da Vinci)
15. Aristoteles mit der Schrift «Nikomachische Ethik« (Philosoph und Schüler von Platon)
16. Diogenes (Philosoph und Kyniker)
17. Plotin (Philosoph)
18. Euklid (Mathematiker, verkörpert durch Bramante)
19. Zarathustra (persischer Religionsgründer)
20. Ptolemäus (Astronom und Geograph)
21. Sodoma (Künstler), hinter ihm Raffael (R)

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0. Zeittafel

System und Entwicklung antiker Philosophie

System und Entwicklung antiker Philosophie

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1. Thales von Milet

Wegbereiter der Naturphilosophie, einer der Sieben Weisen – Γνῶθι σαυτόν (Erkenne dich selbst).

Kurzbeschreibung:

  • Ingenieur, Mathematiker (s. 5.), Kaufmann (s. 2.)
  • 585 v. Chr.: Voraussage einer Sonnenfinsternis (s. 1.)
  • Widerlegung der „Weltfremdheit des Philosophen“ (s. 2.)
  • ἀρχή (Urstoff): τὸ ὕδωρ (Wasser) (s. 3.)
  • Materialismus – ἀρχή wird als etwas Stoffliches gedacht (Wasser, s. 3.)
  • Empirismus (s. 3.) – Beobachtungen → Begründung seiner These
  • Pantheismus (s. 4.) – „Götter“ nur noch als bildhafter Ausdruck für die Materie
  • Hylozoismus – alle Dinge haben Materie („Götter“)
  • Abstraktion – Thales spricht in generellen Sätzen, er abstrahiert.
  • Monismus – ein Urstoff

Fragmente

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2. Anaximander

  • * um 611 v. Chr.
  • Schüler und Nachfolger von Thales
  • Περὶ φύσεως (erstes griechisches Prosawerk)

Das ἄπειρον – Das Unendliche:

  • Das ἄπειρον ist ἀρχή (Beginn / Anfang) der ὄντα (Seienden Dinge) und lenkt deshalb die ὄντα.
  • Das ἄπειρον hat selber keine ἀρχή.
  • Ἀρχή (ἄπειρον) und τελευτή (Ende) sind die Grenzen (πέρατα) für alles Seiende (ὄντα).
  • Ἀρχή kann nur durch den λόγος (Weisheit / Wahrheit) erschlossen werden; kann nicht mehr vorgestellt werden.
  • Man kann nicht positiv feststellen, was es ist, sondern nur, was es nicht ist (via negativa).
  • raum-, zeit-, qualitäts- und quantitätslos → ἄπειρον: undefiniert und grenzenlos
  • göttliche Eigenschaften: τὸ θεῖον (das Göttliche) = τὸ ἄπειρον (Abstraktion)
  • Werden und Vergehen aus dem ἄπειρον
  • Entfaltung der ὄντα aus einem – aus dem ἄπειρον hervortretenden – Paar von gegensätzlichen Beschaffenheiten

Schema zur Versinnbildlichung:

Kreislauf des Lebens nach Anaximander

Kreislauf des Lebens nach Anaximander

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